Samstag, 13. August 2016

Detox Kur - die ganze Wahrheit über die Entgiftung

Gestern hatte eine Freundin mir gesagt, dass etwas über "meinen Saft" bei Galileo käme.
Heute ist Tag 29 meiner Saftkur und ich bringe heute exakt 10 kg weniger auf die Waage, als am 16.07.2016, als ich mit meiner Saftkur begann.
Das ist nicht meine 1. Saftkur und so habe ich schon einige Routine, was die Zubereitung von Säften und die Reaktionen meines Körpers und meiner Psyche auf das Saftfasten angeht.

10 kg in 28 Tagen klingt für viele erst mal bombastisch, darum der Hinweis, dass ich auch in der sehr unbeliebten Adipositas Grad III Gruppe mit einem Sahnetörtchen BMI von über 40 gestartet bin.

Der Saftbeitrag von Galileo:
junger Mann wird dazu verdonnert, 5 Tage nur Saft zu trinken und sich dabei zu filmen.
Dazu schlaue Sätze, die die Seriosität des Beitrags erkennen lassen:
"Detox kommt aus dem Englischen ..."
Laut Wikipedia ist Detox eine im Juli 2011 von Greenpeace begonnene Kampagne, die sich gegen den Einsatz gefährlicher Chemikalien in der Textilindustrie richtet.
Das gefällt mir fast besser!

Detox ist schlicht der aktuelle Modename für das höchst altmodische Wort "Heilfasten".
Beim Fasten - durch das Fasten - kommt es zu Erlebnissen und Ergebnissen, die von den Anhängern des Fastens gern mit Vergleichen beschrieben werden.
"Entschlacken", "Entgiften", "detox", "reboot" ... nichts davon passiert wirklich.
Bei einer Saftkur wird der Körper nicht entschlackt oder entgiftet, denn im Körper gibt es keine Schlacken und mit Glück auch keine Gifte.
Ein Körper funktioniert nicht wie ein großer Tank, den man einmal ordentlich durchspülen kann, damit er wieder sauber ist.
Aber nach einer Saftkur fühlt sich ein Körper so an, als wäre er gründlich gereinigt worden.
Die Anhänger des Fastens fühlen sich gereinigt, weshalb das Fasten gern auch Bestandteil von Religionen ist.
Es ist sehr vielschichtig, bewusst zu verzichten, den Verzicht zu erleben, zu überleben.
Es gibt einem viel Zeit, wenn man nicht kocht und Mahlzeiten zu sich nimmt.
Nicht nur die Zeit der Zubereitung und des Essens, sondern auch die Zeit des Verdauens fällt weg und so brauche ich derzeit sogar weniger Schlaf und dieser wenige Schlaf ist noch dazu erholsamer, als der Schlaf, der auf ein üppiges Abendessen folgt.

Der junge Galileo-Mann ist erschrocken über die hohen Kosten seiner 5-Tage-Saftkur.
Das kann ich gut verstehen.
Wobei ich nicht verstehen kann, weshalb er nun ausgerechnet eine Saftkur macht.
Ganz ehrlich, bei einer zeitlich derart begrenzten Fastenkur, würde ich das gute alte Wasserfasten vorziehen.
5 Tage Leitungswasser hätten ihm sehr viel Geld, Zeit, Müll und Arbeit erspart und die gleichen Ergebnisse erzielt.

Ich war zu normalgewichtigen Zeiten schon Fan des Heilfastens und habe mir eine jährliche Fastenkur mit Wasser gegönnt.
Je öfter man das tut, desto routinierter wird man darin und so hielt ich mich auch nicht an "5-Tage-Fastenkur", sondern merkte, wie lange ich fasten wollte, während des Fastens - damals fastete ich weniger um Gewicht zu verlieren, als viel mehr aus einem inneren Bedürfnis heraus.
Danach fühlte ich mich innerlich gestärkt - gereinigt.
Aber noch einmal: so etwas wie Schlacken gibt es im menschlichen Körper nicht.

Irgendwann legte ich nach und nach mächtig an Gewicht zu und dann missbrauchte ich mein altes Heilfasten dazu, Gewicht zu verlieren. Das klappte nicht.
Statt des Fastenerlebnisses, hungerte ich verbissen, was ich meist nach wenigen Tagen entnervt aufgab.

Im Winter 2014 sah ich dann zufällig den Film von Joe Cross - fat, sick and nearly dead
Der Mann spricht mit einem breiten australischen Akzent englisch und ich verstand nicht alles, was er während seines Films erzählte. Ich sah, wie er mit seinem Entsafter 60 Tage lang durch die USA reiste, Amerikanern Gespräche über ihre Ernährung aufnötigte und dabei große Mengen Saft trank.
Übrigens recht wahllos zubereitete Säfte.
Joe Cross kaufte das Gemüse, das gerade günstig war und ihn ansprach, schubste es durch seinen Entsafter, den er mit der Autobatterie betrieb, trank den Saft und wurde innerhalb der 60 Tage schlanker und gesünder.
Direkt am nächsten Tag machte ich ihm das nach.
Einen Entsafter hatte ich bereits - und einen Kühlschrank voller Gemüse.
Es funktionierte!
Innerhalb kürzester Zeit verschwanden all meine Wehwehchen, wie die dauernden Kopfschmerzen.
Was ich auch Klasse fand:
dadurch, dass ich nicht aß, fand ich Gelegenheit, meinen bisher unbewussten Essgewohnheiten auf die Schliche zu kommen.
Nach den 60 Tagen war ich 20 kg leichter und mein Geschmack hatte sich völlig verändert.
"Reboot" - als würde man einen Computer herunterfahren und neu starten - natürlich passiert auch das nicht wirklich.
Unser Magen ist kein Computer, den man runterfahren und neu starten kann.
Ernährungswissenschaftler und Ärzte werden keinerlei Probleme damit haben, den Vergleich zu widerlegen, aber Tatsache ist, dass ich nach der Saftkur Lust auf ganz andere Nahrungsmittel hatte, als vor der Saftkur.
Während ich vorher Lust auf Pizza, Chips, Pommes ... verspürte, waren es Avocados und Mangos, die nun die Hauptrollen in meinen Heißhungerphantasien spielten.
Auch war ich deutlich schneller satt.
Ich tat mir eine Portion auf und oft war mir ein Teller Suppe schon zuviel, während ich vor der Saftkur gerne noch zwei- dreimal nachnahm.

Natürlich verpufft dieser Effekt irgendwann, wenn man nur zielstrebig genug in alte Gewohnheiten zurückfällt.
Und genau das hatte ich getan.
Mir muss niemand erzählen, dass es den JoJo-Effekt gibt, denn genau den habe ich erlebt und innerhalb eines Jahres kehrte ich auf mein Ausgangsgewicht zurück.
Einerseits traurig - andererseits habe ich ja nun bereits die Erfahrung mit dem Saftfasten und weiß, dass eine Saftkur bei mir persönlich wirklich gut funktioniert.

Mir ist sonnenklar, dass mein Körper weder Schlacken, noch Gifte abbaut, sondern schlicht und ergreifend Gewicht verliert.
Damit verliere ich auch nach und nach Wehwehchen, die ich persönlich durch das Übergewicht bekommen habe.
Es gibt viele gesunde Menschen mit Übergewicht, darum mein "persönlich".
Ich litt unter Kurzatmigkeit, begann beim Sprechen dauernd zu husten und musste auch bei kurzen Fußmärschen oft stehen bleiben um wieder zu Luft zu kommen.
Nachts bekam ich im Liegen kaum Luft und erwachte oft mit Kopfschmerzen und sehr trockenem Mund.
Mir ist klar, wie gruselig laut ich dabei geschnarcht haben muss und da das Schlafen selbst schon eine anstrengende Sache geworden war, hatte ich bei meinem letzten Skandinavien-Urlaub recht kostenintensiv auf Einzelzimmer bestanden.
Man kann mit solchen Beschwerden natürlich zum Arzt gehen.
Das tat ich nicht, weil ich wusste, dass ich ab Juli wieder eine Saftkur beginnen könnte und diese Beschwerden dann vermutlich verflögen.
Das taten sie dann auch innerhalb einer Woche.
Das nächste waren meine geschwollenen Hände, Füße, Beine ... alles raffte schmerzhaft viel Wasser an sich, was nicht nur - wie gesagt - schmerzhaft war, sondern auch noch sehr unschön aussieht.
Mittlerweile erkenne ich nur noch, dass da noch immer Wasser gelagert wird, wenn ich Söckchen trage und deren Bündchen einschneiden.

Nach 28 Tagen Saftkur bin ich noch immer schwer übergewichtig, aber dennoch geht es mir viel besser.
Körperlich ist es ein Unterschied, ob ich beim Gehen 10 kg mehr oder weniger mit mir herumtrage und so schaffe ich die Hunderunden nun wieder mit Freude und kann meine Wege nach Lust und Laune wählen, statt zu grübeln, ob ich das überhaupt schaffe.
Optisch ist der Unterschied eher gering.
Meine Augen sind viel klarer und auch wieder größer geworden, aber dafür schreit meine Haut dauernd nach Creme.
Ich habe nie "schöne Haut" gehabt, dafür aber ein gutes Makeup - dieses lasse ich derzeit komplett weg, damit ich mich öfter eincremen kann.
Und so erschrecke ich gern mal, wenn ich mein Gesicht mit Rötungen hier und da, statt gleichmäßigem Makeup sehe.
Psychisch geht es mir dagegen wunderbar.
War ich Anfang Juli noch die undisziplinierte Dicke, so bin ich jetzt wieder die Frau, die die Disziplin hat, 29 Tage lang Saft zu trinken. Und zugleich sehe ich auch mein Übergewicht nicht mehr als ein Gefängnis, aus dem es keine Fluchtmöglichkeiten gibt, sondern eine machbare Herausforderung.
Man könnte sagen:
meine Gedanken sind kräftig entgiftet worden :)

Das sind für mich DIE Vorteile, Wahrheiten und Geheimnisse des "Detox" bzw Saftfastens.


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