Montag, 19. März 2018

Fastenkrise am Wochenende

Fastenkrise ist ein Überbegriff der negativen Begleiterscheinungen beim Fasten.
Von den körperlichen Nebenwirkungen blieb ich bisher relativ verschont.
Dafür traf mich ein anderes Thema recht hart.

Aber kommen wir erst einmal zur Routine:

gestern:
Saft - Bio-Gemüsesaft ohne Salz aus dem TetraPak
Schritte - 16.739
Gewicht -10,7 kg seit der ersten Saftkur
BMI - 38,8
Sünde - Haselnüsse


Donnerstag hatte ich mich noch so nett über meinen erneuten Abschied von der Dreistelligkeit gefreut und war guter Dinge einkaufen gegangen. Da es im Angebot war, kaufte ich gleich 2 Kästen Mineralwasser.
In letzter Zeit wurde ich hier *sehr verwöhnt und musste kaum je etwas selber tragen.

Nachdem meine Kinder erwachsen wurden, zu studieren begannen und hier ausgezogen sind, habe ich durch meinen Job nacheinander 2 neue Mitbewohner gefunden.
Und zwar zwei drahtige, sportliche Neunzehnjährige.
Der eine stammt aus Afghanistan, der andere aus Albanien.
Wir geben eine lustige, kleine WG ab und ich kann immer nur über die Berichterstattungen in den Medien staunen.
Der Islam gehört nicht zu Deutschland, Islamisierung ... ganz ehrlich:
in unserem Alltag ist es ziemlich schnuppe, dass die beiden Muslime sind und ich Christin bin.
Nachdem mein eigener Sohn plötzlich Veganer und meine Tochter Vegetarierin wurden, bin ich in Sachen Rücksichtnahme bei Ernährung Umständlicheres gewöhnt, als "kein Schwein".
Und weitere muslimische "Nebenwirkungen", fallen mir beim besten Willen nicht ein.
Ok, eine Nachbarin fragte allen Ernstes, ob ich keine Angst hätte, vergewaltigt zu werden.
Äh, nein ...

Eine andere Frage war, ob ich das denn verstehe, wenn die beiden muslimisch sprechen.
Manchmal ist es schwer, die Fragen besorgter Bürger sachlich zu beantworten, aber sie kam selbst drauf ... wir sprechen untereinander allesamt deutsch, da Albaner und Afghanen keine gemeinsame Sprache haben.

Lustig ist, dass sich die beiden ein wenig ähneln.
Dunkle Haare, modisch hochgegelt und wenn sie sich nicht stündlich rasieren, haben beide umgehend einen Dreitagebart.
Dazu sind beide sehr sportlich/drahtig, irgendwas unter 1.80m groß und wiegen dabei 50-60 kg.

Und beide reißen mir alles aus den Händen, was mehr als ein paar Gramm wiegt, damit ich nicht so schwer schleppen muss.
Nach diesem Schlenker sind wir jetzt wieder bei dem *sehr verwöhnt.
Donnerstag war "mein Afghane" nämlich unterwegs und "mein Albaner" kommt erst im Sommer wieder 3 Monate her.
Meine 2 Wasserkästen musste ich also alleine schleppen.

Und nun stand ich da und ... rechnete.
Ein Kasten Wasser wiegt 14,6 kg.
Meine beiden Kästen wogen zusammen also 29,2 kg.
Das ist alles nichts Neues für mich - hier gibt es sogar einen Beitrag von mir, in dem ich einen Kasten Wasser abstelle - bildlich - nachdem ich knapp 15kg abgenommen hatte.



Ich ließ die beiden Kästen auf meiner Treppe stehen, fuhr noch einmal los und stellte wenig später den 3. Kasten dazu.
43,8 kg - und eigentlich müsste ich noch eine Flasche dazu stellen.

Den Rest des Wochenendes hatte ich ... ungute ... Gefühle, Gedanken, Laune.
Und darum habt Ihr auch nichts gehört.

Ich frage ich mich, warum ich es mir so schwer mache.
Bei jedem Schritt im Alltag schleppe ich völlig unnötig ein Übergewicht von 3 Kästen Wasser mit mir herum.
Menschen, die es gut mit mir meinen, demonstrieren eifrig, dass ich nicht einen einzigen Kasten davon selbst schleppen sollte ...

Würde ich einen meiner jugendlichen Untermieter aus einem brennenden Haus schleppen, wäre mir vermutlich Anerkennung und Jubel sicher ... aber hier brennt nichts und die beiden können prima selbst laufen ... (das waren so Gedanken, die mir bei der Hunderunde durch den Kopf gingen - zu Beginn meiner Abnehmerei betrug mein Übergewicht noch ca. 4 Kästen oder einen meiner Untermieter ... - nichts davon würde ich freiwillig täglich durch die Gegend schleppen wollen ... und doch tue ich dies ... sinnbildlich ...)

Ach, Zahlen sind wunderbar abstrakt und leicht zu verdrängen.
3 Wasserkästen können einen dagegen regelrecht vorwurfsvoll anstarren.
Uns schleppst Du ständig herum!

Meine Fastenkrise besteht daraus, dass mir jetzt gerade mein (Über-)Gewicht sehr bewusst ist.
Krisen kann ich übrigens wunderbar kompensieren.
Ich könnte etwas ausgesprochen Leckeres kochen/essen.
Jemanden bekochen, gemeinsam essen, hat etwas ungemein Tröstliches.
Ach ja, ich faste ja!

Boah, hatte ich eine gruselige Laune!

Und diese Laune verbesserte sich wirklich kein bisschen dadurch, dass immer und immer wieder mein "was kochen/essen"-Programm ansprang um mich aus diesem Tief zu holen.
Wie ein Computer, stürzte ich folgerichtig immer mal wieder ab.

Mit Serien Gucken, Stricken und Spaziergängen lenkte ich mich dann ganz erfolgreich ab.

Ich wurde mir dabei nicht recht schlüssig, was mit den Erkenntnissen des Tages anzufangen sei.

Fangen wir all meine sich in unguten Kreisen bewegenden Gedanken also ein und fassen sie mit einem:

"Nur noch 3 Kästen Wasser (und eine Flasche) und es ist geschafft!"




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